Name und Identität

Ich lese zur Zeit das Buch Alma Estrangeira (Ausländische Seele) von Judith Vero, in der sie die persönlichen Geschichten ungarischer Einwanderer in Brasilien schildert. Die ungarische Einwanderung geht auf die Nachkriegszeit zurück, also Ende der 1940er Jahre. Mir fiel eine Beschreibung zum Thema Identität auf, über die ich noch nicht so gründlich nachgedacht hatte. Die Identität, die man mit seinem Namen verbindet. Das erste was geschieht, wenn man in ein anderes Land auswandert, ist, dass sich der eigene Name der lokalen Aussprache anpasst.

In Deutschland hatte ich immer mit meinem Namen gekämpft, wowohl mit der Schreibweise als auch mit der Aussprache. Ich hatte jedoch in allen Dokumenten meinen Bindestrich behalten, lediglich die Sonderzeichen vielen oft weg. Was die Aussprache betrifft: Als ich klein war, hatte ich nie das Gefühl, dass sich die Leute irgendeine Mühe gegeben hätten meinen Namen richtig auszusprechen. So ab Mitte der 1990er aber änderte sich das. Odt fragten mich Menschen, ob auf Behörden oder im Bekanntenkreis, wie man denn meinen Namen ausspräche, und ich lehrte sie, und das klappte dann auch mehr oder weniger. Ich vermute, das hat damit zu tun, dass die damals jüngere Generation selbst schon sehr viel mehr Erfahrung mit dem Ausland und in Deutschland lebenden Einwanderern gemacht hatte und begann die Scheuklappen zu verlieren.

Jetzt in Brasilien, beginnt alles wieder von vorn. Hier aber haben die Wenigsten Lust überhaupt erst nach der Aussprache zu fragen, das machen höchstens Freunde. Im Brasilianischen Portugiesisch ruft man mich “Kristschina Bodrosiki”. Vor allem die Aussprache meines Vornamens hat mich anfangs sehr gestört, aber mittlerweile stelle iuch mich selbst als Kristschina vor. In den Dokumenten habe ich nicht nur die Sonderzeichen sondern auch den Bindestrich verloren, nicht weil es den auf der Tastatur nicht gäbe, nein, einfach nur, weil es in Brasilien unüblich ist. Hmmmm! Die Frage ist, wann wird mich das nicht mehr stören? Es ist ganz klar, dass Brasilien kaum Erfahrung mit slavischen Namen hat, und eine richtige Aussprache niemals zu erwarten ist. Aber könnten manche öffentlichen Stellen nicht zumindest aus Neugier und vielleicht aus aus Respekt nachfragen?

Kika

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