Wehe man biegt im Zentrum falsch ab, denn man könnte zum Beispiel in Cracolândia landen. Das ist nicht nur Touristenproblem, auch viele Paulistana wissen zwar, dass es diese von Süchtigen besetzte Gegend gibt, aber nicht genau, wo sie liegt. Wenn man hinein gerät, langsam bewegen, zusehen, dass die Raubtiere einen nicht erfassen und den kürzesten Weg heraus wählen.
Der name Cracolândia erklärt sich von selbst. Hier leben die Cracksüchtigen auf den Strassen Sao Paulos, konsumieren auch am hellichten Tag und von der städtischen Polizei wird dies bisweilen toleriert. Es ist schon lustig, dass die Polizei in Vila Madalena junge Kiffer erschreckt, aber es nicht wagt einen Schritt in Cracolândia zu setzen.
Der Preis von Crack beträgt nur 10 RS auf der Strasse. Schon Kinder sind unter den Süchtigen. Es hat mich immer verwundert, dass jeder von dieser Gegend weiss und niemand was unternimmt. Der brasilianische Wikipedia Eintrag erzählt ganz optimistisch, dass die Regierung seit 2005 sehr viel in den Wiederaufbau der
Gegend investiere, um sie dadurch wieder für den Handel attraktiv zu gestalten.
Es werden wohl seit einem Jahr Institutionen zur Drogenentziehung eingerichtet, aber bis sich wirklich etwas verändert wird es eine Weile dauern.
Ein Mini-Cracolândia bildete sich kürzlich im Jardim Peri, wo an die 20 Drogenkonsumenten täglich zusammenkommen und Anwohner sich aus Angst vor möglichen Überfällen kaum noch aus dem Haus trauen. Frauen, die bei Anbruch der Dunkelheit zur Arbeit gingen, wurden sogar ihrer Kleidung beraubt.
Solche Dinge zeigen die Ambivalenz dieses Landes zwischen Aufbruch und tiefverankerten sozialen Problemen. Eine stabile Gesellschaft kann Brasilien mit diesem langsamen Tempo nur schwer erreichen.
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